Was meint »Anti-Bias«?

Der engli­sche Begriff »Anti-Bias« bedeu­tet in einem wörtli­chen Sinn gegen Vorein­ge­nom­men­heit bzw. gegen Einsei­tig­keit. Anti-Bias-Arbeit versucht Schief­la­gen auszu­glei­chen, die ausge­hend von einsei­ti­gen Sicht- und Handlungs­wei­sen zu diskri­mi­nie­ren­dem Verhal­ten sowie benach­tei­li­gen­den Verhält­nis­sen führen können. Dieser Ansatz richtet sich dabei aktiv gegen jegli­che Form von Diskri­mi­nie­rung, Ausgren­zung und Unter­drü­ckung auf zwischen­mensch­li­cher, insti­tu­tio­nel­ler sowie gesell­schaft­li­cher Ebene, um dort Aspekte wie Wertschät­zung von Vielfalt, gegen­sei­tige Akzep­tanz und eine inklu­sive Gemein­schaft umzuset­zen. Genauere Erklä­run­gen zu Begrif­fen wie »Diskri­mi­nie­rung«, »Inklu­sion« oder »Vorur­teil« finden sich auch im Glossar des ADB-Sachsen.

 

 

 

 

Anti-Bias ist wie eine lebens­lange Reise, die in uns selbst beginnt.
(Louise Derman-Sparks)

 

 

 

 

 

Unglei­che Macht­ver­hält­nisse bedro­hen die Mensch­lich­keit aller – die der Benach­tei­lig­ten wie auch die der Privi­le­gier­ten.

(Louise Derman-Sparks)

An wen richtet sich Anti-Bias-Arbeit?

Diskri­mi­nie­rung betrifft alle. Jede*r wurde bereits diskri­mi­niert und hat diskri­mi­niert. Ebenso haben alle Menschen Vorur­teile erlernt, die ihr Denken und Handeln mit beein­flus­sen. Ausge­hend von diesen Gemein­sam­kei­ten ermuti­gen Anti-Bias-Trainings die Teilnehmer*innen sowohl an der Verän­de­rung der eigenen Haltung – den verin­ner­lich­ten Denk- und Handlungs­mus­tern – als auch an der Verän­de­rung von sozia­len und gesell­schaft­li­chen Verhält­nis­sen zu arbei­ten. 
Anti-Bias geht davon aus, dass jede*r Einfluss hat, etwas im eigenen Umfeld zu verän­dern. Dieser Ansatz kann deshalb überall dort zum Einsatz kommen, wo Menschen zusam­men leben, arbei­ten, lernen und sich für ein wertschät­zen­des Mitein­an­der ohne Benach­tei­li­gung, Ausgren­zung und Unter­drü­ckung einset­zen möchten. An einem Anti-Bias-Training kann eine Kita-Gruppe oder Schul­klasse, ein Kolle­gium oder Team, eine Insti­tu­tion oder Initia­tive sowie alle anderen Inter­es­sier­ten teilneh­men, die mehr Sensi­bi­li­tät und Profes­sio­na­li­tät im Umgang mit Vorur­tei­len, Macht und Diskri­mi­nie­rung erlan­gen möchten.

 

Wo kommt der Anti-Bias-Ansatz her?

Der Anti-Bias-Ansatz wurde in den 1980er Jahren von den Pädago­gin­nen Louise Derman-Sparks und Carol Brunson Phillips in den USA entwi­ckelt. Ihnen fehlten zu diesem Zeitpunkt passende Metho­den für ihre Arbeit im Vorschul­be­reich, um gemein­sam mit den Kindern einsei­tige Vorstel­lun­gen aufzu­ar­bei­ten und diskri­mi­nie­ren­des Verhal­ten zu verler­nen. Seit Anfang der 1990er Jahren wird dieser Ansatz unter anderem in Südafrika angewen­det und dort für die Jugend- und Erwach­se­nen­ar­beit weiter­ent­wi­ckelt, um eine gesell­schaft­li­che Gemein­schaft auf- und die »Apart­heid in den Köpfen« abzubauen. Ende der 1990er Jahre haben südafri­ka­ni­sche Trainer*innen ihre Arbeits­weise in Deutsch­land bekannt gemacht. Ungefähr zur gleichen Zeit startete unabhän­gig davon ein Projekt zur vorur­teils­be­wuss­ten Bildung und Erzie­hung in Kinder­ta­ges­stät­ten, das gezielt den Anti-Bias-Ansatz aufgreift. Seither wird in Praxis und Theorie weiter an einem spezi­fi­schen Anti-Bias-Ansatz für den deutschen Kontext gearbei­tet, wo Aspekte wie Identi­tät und Zugehö­rig­keit, Macht und Verant­wor­tung sowie Diskri­mi­nie­rung und Privi­le­gie­rung einen hohen Stellen­wert haben.

 

 

 

 

 

Kurz zusam­men­ge­fasst kann man sagen, es ist dieser Hinter­grund sich verän­dern­der demogra­phi­scher Komple­xi­tät, zuneh­men­der Vielfalt und anhal­ten­der Beschä­di­gun­gen durch Rassis­mus und Diskri­mi­nie­rung auf Grund von Klassen­zu­ge­hö­rig­keit, vor dem die Anti-Bias-Arbeit entstan­den ist und sich weiter entwi­ckelt.

(Louise Derman-Sparks)